Andreas Vojta, Thomas Messner und Timon Theuer im Ziel beim European Marathon Classics Rennen
Blanka Dörfel hat mit einem außergewöhnlichen Marathon-Debüt für die Sensation des Tages beim Mainova Frankfurt Marathon gesorgt. Hinter der äthiopischen Siegerin Zeineba Yimer, die bei nassen und windigen Bedingungen in 2:19:45 Stunden triumphierte, lief die Berlinerin als Zweite nach 2:20:46 ins Ziel und wurde damit auf Anhieb zur zweitschnellsten deutschen Läuferin aller Zeiten über die 42,195 Kilometer. Auch in Europa ist ihr Ergebnis eine Topzeit: Die 24-Jährige sortierte sich in der kontinentalen Alltime-Liste sogar auf Rang acht ein. Platz drei belegte in Frankfurt Beriha Gebreslasie (Äthiopien) mit 2:22:46.
Im Rennen der Männer triumphierte überraschend Jirata Dinki. Der Äthiopier war nach 2:05:26 im Ziel in der Frankfurter Festhalle und verhinderte damit einen deutschen Triumph: Mit einem starken Rennen wurde Amanal Petros Zweiter in 2:05:46. Der Europameister ist der erste deutsche Läufer in diesem Jahrtausend, der beim Mainova Frankfurt Marathon im Männerrennen einen Podest-Platz erreichte. Dritter wurde mit Benard Biwott (Kenia) der Sieger des Rennens von 2024 mit 2:06:23. Richard Ringer belegte in 2:07:07 Platz fünf, Samuel Fitwi wurde Siebenter mit 2:08:57. Drei deutsche Läufer in den Top-8 gab es in Frankfurt seit den 1990er-Jahren nicht mehr.
Österreichs Läufer*innen gaben ihr Bestes
Mehrere österreichische Topathleten waren in Frankfurt am Start. Andreas Vojta (team2012.at) kam in 2:16:44 Stunden auf Rang 16 in dem stark besetzten Elitefeld. Nach seinem sehr guten Rennen bei den Europameisterschaften im August in Birmingham lief es diesmal nicht wie erhofft.
“Es war sehr unangenehm, sehr nass, kurz nach dem Start hat es doch stärker geregnet, wir mussten teilweise durch Riesenlacken. Die Gruppe hätte gepasst, aber wir sind nicht so schnell ins Laufen gekommen, wie ich mir erhofft hätte”, schildert er.
Muskuläre Probleme machten ihm in der Folge zu schaffen. “Vielleicht hat es mit der Nässe zu tun, aber ich bin muskulär nicht auf Betriebstemperatur gekommen. An mehreren Körperstellen waren die Muskeln fest. Für den Kopf war das unangenehm, weil ich das schon früh gemerkt habe. In der zweiten Hälfte habe ich dann leider sukzessive Zeit verloren, ohne wirklich eingebrochen zu sein. Vom Gefühl her war es nie langsam, aber ehrlich gesagt: Heute ist nix Gescheides rausgekommen. Es ist auch für mich erstaunlich, wie kontrolliert der Marathon in Birmingham auf schwieriger Strecke war und wie zäh heute der auf tendenziell schnell laufbaren Strecke war. Denn realistischerweise muss ich in ähnlicher Form wie vor zwei Monaten gewesen sein.”
Bei der EM in Birmingham hat er auf einem Kurs mit rund 700 Höhenmetern den 26. Platz erreicht. Mit 2:15:37 war er dort fast so schnell wie bei seinen VCM-Starts 2025 und 2026, wo die Strecke jedoch weitaus schnellere Zeiten zulässt als in Birmingham. Seine Bestzeit steht bei 2:13:43 aus Frankfurt 2023.
Auf Wolke 42,195 schwebte hingegen Thomas Messner. Der Kärntner vom Verein KLC absolvierte in 2:20:19 sein Marathondebüt und lief jubelnd und mit rundem Schritt in die Festhalle ein. “Es war richtig super, unglaublich gut. Vor sechs Monaten hätte ich nicht für möglich gehalten, dass ich so zufrieden in einem Marathonziel stehe. Damals hatte ich Schmerzen selbst beim Gehen. Die letzte Zeit war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Mit dem Ergebnis bin ich sehr glücklich. Unsere Gruppe ist ab der Halbmarathonmarke immer kleiner geworden. Irgendwann war ich total im Flow und bin ich einfach gelaufen. Jetzt freue ich mich auf etwas Erholung, aber ich bin ganz klar vom Marathonfieber angesteckt", kommentierte er zufrieden.
Nach 1:10:29 auf der ersten Streckenhälfte, die er gemeinsam mit der Gruppe rund um die später zweitplatzierte Blanka Dörfel absolvierte, gelang ihm eine Beschleunigung im zweiten Teil mit einer Halbmarathon-Splitzeit von 1:09:50. Bei weiterhin kontinuierlicher Vorbereitung hat er auf der Marahthondistanz sicher noch Potenzial.
Timon Theuer (Union St. Pölten) erreichte in 2:32:38 zum ersten Mal das Ziel eines Marathonrennens. Bis über die Halbmarathonmarke hinaus war er auf Kurs zu einer Zeit unter 2:20. Danach verlor er bei den schwierigen Bedingungen deutlich, aber kämpfte sich durch zu seinem ersten Marathonfinish.
“Bei den kalt-nassen Bedingungen hat sich nach 15 Kilometern der rechte hintere Oberschenkel gemeldet. Hier hatte ich im Frühjahr eine Verletzung mit mehreren Wochen Ausfall. Dementsprechend vorsichtig bin ich weitergelaufen und gegangen. Danach ging es nur noch ums Finishen und keine ernste Verletzung zu riskieren. Ich glaube, dass ist mir auch gelungen. Dementsprechend ist der Ärger nur halb so groß. Es war kein Tag für Rekorde, wobei ich schon sehr sehr gerne im Bereich um die 2:14-16 gelaufen wäre”, kommentierte er.
Schnellste Läuferin aus Österreich war Alina Hrnecek (LG Decker Itter) in 3:08:47 (netto).
Für den 43. Mainova Frankfurt Marathon hatten sich mit 19.720 Läuferinnen und Läufern aus 128 Nationen so viele Menschen wie nie zuvor angemeldet. 13.388 Finisher sind in den vorläufigen Ergebnissen zu finden. Über das gesamte Rennwochenende hinweg verzeichnete die Veranstaltung in allen Bewerben mehr als 32.800 Meldungen.
Der 43. Mainova Frankfurt Marathon markierte zugleich den letzten Einsatz von Race-Director Jo Schindler, der nach 25 Jahren die Geschäftsführung übergibt.
European Marathon Classics
Die diesjährige Ausgabe war das erste Rennen des Mainova Frankfurt Marathon als Teil der neu gegründeten European Marathon Classics. Der Zusammenschluss umfasst acht europäische Marathons. Wer fünf dieser acht Rennen absolviert, erhält eine eigens gestaltete Finishermedaille.
Einige Läufer*innen aus Österreich haben in Frankfurt ihre EMC-Medaille für mindestens fünf Finishes erhalten, darunter Helga Marwan-Schlosser und Karl-Alfred Erber. Herzlichen Glückwunsch!
Das Rennen der Frauen
Zeineba Yimer aus Äthiopien und die Deutsche Blanka Dörfel prägten das sportliche Geschehen beim Mainova Frankfurt Marathon 2026. Yimer wurde ihrer Favoritenrolle gerecht und gewann in 2:19:45 Stunden souverän. Die 28-Jährige übernahm von Beginn an die Führung und wurde zunächst nur von ihrer Landsfrau Siranesh Yirga begleitet. Ab Kilometer 30 konnte diese das Tempo nicht mehr mitgehen. Obwohl Yimer auf den letzten Kilometern hart kämpfen musste, brachte sie den Sieg ins Ziel. Ihre Zeit ist die sechstbeste einer Läuferin in der Geschichte des Rennens.
„Ich habe gehofft, dass ich gewinnen werden. Das Wetter hat es nicht gut mit uns gemeint. Der Regen hat mich gebremst, aber ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. Ich habe nicht gewusst, was hinter mir vor sich gegangen ist“, sagte sie.
An zweiter Position gelang der 24-jährigen Blanka Dörfel (Berlin Athletics CC) in 2:20:46 Stunden ein sensationelles Debüt. Unbekümmert und mit rundem Schritt löste sie sich aus einer zehnköpfigen Verfolgerinnengruppe. Ab der Halbmarathonmarke verkürzte sie kontinuierlich den Abstand zur Spitze. Ab Kilometer 27 konnten ihre unmittelbaren Konkurrentinnen nicht mehr folgen. Bei Kilometer 33 übernahm Dörfel Platz zwei und behauptete diese Position bis zum jubelnden Zieleinlauf.
„Ich bin sehr happy. Dass jetzt eine 2:20 als Ergebnis dasteht, ist toll. Die nasse Strecke war eine Herausforderung, ich hatte viele Fußbäder. Bis zum Halbmarathon habe ich mich super gefühlt, danach wurde es ein kleines bisschen anstrengender. Die letzten fünf Kilometer waren dann hart für mich. Ich laufe auch im Training ohne Uhr und nur nach Gefühl, nicht nach Zeit. Es war für mich immer ein Fragezeichen, welche Zeit möglich ist. Erst in der Festhalle hatte ich die 2:20 gesehen und gemerkt, wie schnell ich bin. Ich habe einfach das gemacht, was ich im Training mache. Ich fand das Publikum toll. So viele Leute haben geschrien „Blanka, lauf!“ Es war ein super Tag.“, sagte sie.
Gefragt nach ihren Vorhaben für die Zeit nach dem Marathon formulierte sie einige unerwartete Wünsche: „Ich würde gerne einmal surfen lernen, oder ein Silence Retreat besuchen und drei Tage meditieren. Auch Fasten würde ich gerne, vielleicht aber erst mit gewissem Abstand zum Marathon.“
Dörfels Leistung schrieb mehrere Einträge in die Bestenlisten neu. Mit ihrer Zeit ist sie die zweitschnellste deutsche Marathonläuferin aller Zeiten. Nur Irina Mikitenko war 2008 in Berlin mit 2:19:19 Stunden schneller gewesen. In der europäischen All-Time Liste liegt Dörfel auf Rang acht. Zudem erzielte sie die deutsche Jahresbestzeit 2026 und sie ist die zweitschnellste Europäerin des Jahres – nur knapp hinter der finnischen Europameisterin Alisa Vainio mit 2:20:39.
Ihr Rennen bedeutet zudem das schnellste Marathondebüt einer deutschen Läuferin – bisher 2:23:57 von Melat Kejeta in Berlin 2019. Zudem ist sie nun mit großem Abstand die schnellste Deutsche in der Geschichte des Mainova Frankfurt Marathons. Diese Position hatte bisher Fate Tola mit 2:25:42 aus dem Jahr 2016 gehalten.
„Das war der Anfang einer großen Karriere“, brachte Philipp Kopp, Sportlicher Leiter des Mainova Frankfurt Marathon, den sportlichen Stellenwert auf den Punkt.
Das Rennen der Männer
Nach dem Start schlug die Spitzengruppe der Männer ein Tempo ein, das ungefähr im Bereich des deutschen Rekordes lag. Der Europameister und Vize-Weltmeister Amanal Petros (Hannover 96), der die Bestmarke mit 2:04:03 Stunden hält, und Samuel Fitwi (Silvesterlauf Trier) wollten den Rekord angreifen. Und auch Richard Ringer (LC Rehlingen) lief vorne in einer großen Gruppe mit. Doch es wurde recht schnell klar, dass die ungünstigen Wetterbedingungen keine Rekorde möglich machen würden. Bei Kilometer 10 deutete die Durchgangszeit von 29:55 Minuten bereits auf eine Zielzeit von etwas über 2:06 Stunden hin. Der Halbmarathon-Punkt war dann nach 63:01 Minuten erreicht.
In der Folge entwickelte sich kein superschnelles Rennen, aber ein sehr spannendes. Es waren Amanal Petros und Benard Biwott, die rund zehn Kilometer vor dem Ziel das Tempo verschärften und einen kleinen Vorsprung herauslaufen konnten. Zu diesem Zeitpunkt fiel Samuel Fitwi, unter muskulären Problemen leidend, zurück während Richard Ringer versucht, Anschluss an die beiden führenden Läufer zu finden. Doch der Europameister von 2022 kam nicht an das Duo heran und fiel in der Folge auch weiter zurück. Jedoch kam ein anderer Läufer immer dichter an Petros und Biwott heran: Der 24-jährige Jirata Dinki, der mit einer Bestzeit von 2:08:18 ins Rennen gegangen war, schloss dann nach rund 37 km auf.
Nun startete Amanal Petros einen Vorstoß und es sah so aus, als ob der Europameister das Rennen gewinnen könnte. Benard Biwott war geschlagen, aber wiederum kam Jirata Dinki zurück und ergriff dann seinerseits die Initiative. „Ihn hatte ich nicht auf der Rechnung“, sagte Amanal Petros, der sich rund zwei Kilometer vor dem Ziel endgültig geschlagen geben musste. Nur zweieinhalb Monate nach einem extrem harten EM-Rennen fehlte dem Europameister die Kraft, um noch einmal an Jirata Dinki heranzukommen. „Ich habe es versucht, aber bei dem Wetter war klar, dass es nichts wird mit dem Rekord. Dann habe ich wohl etwas zu früh attackiert - daraus werde ich lernen. Natürlich hätte ich gerne gewonnen, aber so ist es im Marathon“, sagte Amanal Petros, der aber als Zweiter mit 2:05:46 die mit Abstand schnellste Zeit eines deutschen Läufers in der Geschichte des Mainova Frankfurt Marathons erreichte.
„Das Wetter war nicht optimal, daher bin ich vorsichtiger angelaufener. Ich war mir aber sicher, dass ich ein gutes Rennen laufen würde. Das ist ein sehr großer Sieg für mich“, sagte Jirata Dinki, der in seinem dritten Marathon den mit Abstand größten Erfolg seiner Karriere feierte.
Philipp Kopp schätzt die gezeigten Leistungen sehr hoch ein: „Die Zeiten bei diesem Wetter sind sehr stark. Es wäre vielleicht eine Minute oder eineinhalb Minuten mehr sonst möglich gewesen.“
Jo Schindler: Ausblick nach 25-jähriger Reise
Race-Director Jo Schindler beging nach 25 Jahren an der Spitze sein letztes Wochenende als Kopf der Veranstaltung. Mit Holger Kranz steht sein Nachfolger als Geschäftsführer der Agentur motion events bereit.
„Ich werde weiterhin als Berater für das Rennen zur Verfügung stehen und mich darum kümmern. Ich freue mich auf die Zeit, die kommt. Wir haben mit London Marathon Events einen großartigen strategischen Partner gefunden und mit Holger Kranz kommt ein Nachfolger, der die Veranstaltung hervorragend entwickeln kann. Ich gebe mit, dass der Laufsport viel Liebe braucht, und dass man die Menschen, die es machen, verstehen muss. Letztendlich geht heute eine schöne Reise zu Ende“, sagte Schindler.
Ferdinand Huhle, Leiter Konzernkommunikation und Public Affairs der Mainova AG: „Wir haben großen Sport mit viel Begeisterung an und neben der Strecke gesehen. Die Energie, mit der zehntausende Läuferinnen und Läufer auf die Strecke gegangen sind, hat mich sehr beeindruckt. Der Mainova Frankfurt Marathon hat eine großartige Entwicklung genommen. Ich bin sicher, dass das Team von motion events die Veranstaltung in den kommenden Jahren stark fortführen wird.“
Top-10 Ergebnisse
Männer
- Jirata Dinki ETH 2:05:26
- Amanal Petros GER 2:05:46
- Benard Biwott KEN 2:06:23
- Haimro Alame ISR 2:06:58
- Richard Ringer GER 2:07:07
- Abe Gashahun ETH 2:07:19
- Samuel Fitwi GER 2:08:57
- Amaniel Habtom ART 2:09:08
- Adisu Negash ETH 2:10:33
- Martin Zajic CZE 2:13:17
Frauen
- Zeineba Yimer ETH 2:19:45
- Blanka Dörfel GER 2:20:46
- Beriha Gebreslasie ETH 2:22:46
- Aselef Amare ETH 2:25:31
- Siranesh Yirga ETH 2:26:05
- Mehret Gemeda ETH 2:26:49
- Marion Kibor KEN 2:26:52
- Janet Ruguru KEN 2:27:36
- Birke Debele ETH 2:31:00
- Annabel Gummow GBR 2:31:10